Eine Saison, die Spuren hinterlässt
Die Bilanz der Saison 2025/26 liest sich ernüchternd. Ein Punkt aus 14 Spielen im Grunddurchgang, drei klare Niederlagen in den Play-offs gegen Althofen, Tabellenende in der Kärntner Liga AHC Division 1. Doch wer die Premierensaison der LE Leoben Kings ausschließlich auf Zahlen reduziert, greift zu kurz. Im Rückblick von Michael Pollross, sportlicher Leiter des Vereins, wird deutlich, dass dieses Jahr mehr war als eine sportliche Enttäuschung.
Zu Beginn lief es gar nicht so schlecht. Die Kings hielten mit, spielten mutig und erreichten phasenweise das angestrebte Leistungsniveau. Gegen Steindorf führte Leoben mit 2:0, gegen Althofen endete ein Spiel denkbar unglücklich mit 4:5. In Velden holte man schließlich den einzigen Punkt der Saison. Schon damals musste das Team regelmäßig auf mehrere Spieler verzichten, doch die Struktur hielt.
Der Bruch kam ab dem sechsten Spiel. „Uns war nicht bewusst, dass es so schwierig wird. Dann kam die Krankheitswelle.“ Verletzungen und Erkrankungen häuften sich, zeitweise fehlten bis zu 13 Spieler. Wichtige Positionen konnten nicht mehr adäquat ersetzt werden. Zusätzlich belastete die lange Sperre von Legionär Mark Sojer den ohnehin ausgedünnten Kader. „Er hat seine Leistung gebracht und eine gute Einstellung gehabt. Die Sperre war eine blöde Geschichte.“ Pollross, ursprünglich auch Trainer, löste sich gewissermaßen selbst ab und beförderte Robert Rohrer zum Spielertrainer.
„Mein Rücktritt als Trainer war die einzige rasche Möglichkeit, einen neuen Impuls zu setzen“, sagt Pollross. Mit jedem weiteren Spiel wurde die Situation dennoch schwieriger. Unzufriedenheit machte sich breit, nicht aus mangelnder Identifikation, sondern aus Überforderung. „Wenn so viele fehlen, stoppelst du das Team nur noch irgendwie zusammen. Die anderen werden immer besser und du baust ab. Das nagt an der Moral.“ Der Tiefpunkt dieser Entwicklung war die abschließende 2:23-Niederlage gegen Althofen, samt Verletzung von Spielertrainer Rohrer.
Trotz aller Rückschläge stellt Pollross den eingeschlagenen Weg nicht infrage. Der Schritt in die Kärntner Liga AHC Division 1 sei richtig gewesen. Die Liga habe sich als stark organisiert und sportlich anspruchsvoll präsentiert. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Begeisterung an Standorten wie Huben. „Wir bereuen nichts. Aber wir haben viele Hausaufgaben. Jetzt geht es darum, die Wunden zu lecken. Was wir später machen müssen, um in der Liga anzukommen, wissen wir nun.“
Off-Season wird der Vorstand neu aufgestellt, was unabhängig von der Spielzeit geplant war. Damit gibt es noch keine fixen Pläne, wohin die Reise geht. „Diese Saison will keiner mehr haben. Nicht der Verein, nicht die Spieler, nicht die Liga.“ Klar ist aber auch, dass es weitergeht. Möglichkeiten gibt es sowohl in Kärnten als auch in der Steiermark.
Pollross selbst wird auch in den kommenden Jahren die sportliche Leitung übernehmen. Er schließt eine Trainerrolle bei der Kampfmannschaft aus. Organisatorisch und finanziell habe man die Saison besser bewältigt als sportlich, auch das sei eine wichtige Erkenntnis. Besondere Anerkennung richtet Pollross an Obmann Christian Höllerbauer, der sich nach 26 Jahren an der Spitze des Vereins zurückziehen wird. „Er widmet sich jeden Tag aufopfernd dem Klub.“ Ziel sei es, ihn dem Verein als Beirat zu erhalten und weiter von seiner Erfahrung zu profitieren.
Am Ende überwiegt der Dank. Vor allem den Sponsoren, die den Weg der LE Leoben Kings mitgetragen haben. „Ohne diese Unterstützung wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen.“
Die Saison 2025/26 wird in Leoben niemand beschönigen. Doch sie könnte sich als notwendige Erfahrung erweisen. Als Lehrjahr für einen Verein, der nun weiß, wie hart diese Liga ist und was es braucht, um darin eine Rolle zu spielen.
Jürgen Knopper
