Der KEHV Präsident über seinen Werdegang, Erfolge und Fallstricke.
Zur Person und zum Werdegang
Du bist seit Jahrzehnten Funktionär im Kärntner Eishockey. Wie hat das alles auf der Verbandsebene begonnen?
Michael Herzog Löschnig: Beim Verband hat alles zu Saisonbeginn 1995/96 begonnen. Damals ist Präsident Wolfi Ebner auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich die Nachwuchsagenden übernehmen möchte. Am Anfang hatte ich noch Unterstützung durch einen ehemaligen VSV Nachwuchstrainer, der aber rasch wieder ausgestiegen ist, als sich gezeigt hat, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt. Ich bin geblieben und bin Schritt für Schritt in diese Aufgabe hineingewachsen.
Nachwuchs ist immer ein zentrales und großes Thema. Welche Fragen beschäftigten euch in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren?
Michael Herzog Löschnig: Im Mittelpunkt standen ganz klar die strukturellen Voraussetzungen für den Nachwuchsspielbetrieb. Diese waren damals schlicht nicht vorhanden. Mit Margit Schwarz hatte ich ab etwa 1997 eine kongeniale Partnerin, die mich bis heute enorm unterstützt. Als Meilenstein jener Zeit sehe ich, dass Kärnten als erstes Bundesland das Programm Learn to Play eingeführt und bis heute erfolgreich umgesetzt hat. Natürlich gab es auch Gegenwind. Manche Vereinsverantwortliche kochten ihr eigenes Süppchen, damals wie heute. Mit Erfahrung weiß man jedoch, was man zulassen kann und wo man gegensteuern muss.
Wie war die Zusammenarbeit mit den großen Vereinen KAC und VSV?
Michael Herzog Löschnig: Herausfordernd, aber notwendig. Auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten ist nicht immer leicht, vor allem aufgrund der häufig wechselnden Ansprechpartner bei beiden Großvereinen. Die beiden Kärntner Flaggschiffe sind einerseits unsere Visitenkarte gegenüber den Kindern im Land und stehen andererseits auch in der Pflicht, einen Beitrag zur Entwicklung des gesamten Kärntner Nachwuchses zu leisten. Wir haben stets versucht, einen gemeinsamen Weg zu finden, der für alle tragbar ist.
Als Ligakoordinator, Präsident und Strukturarbeiter
Später wurdest du Verbandskoordinator. Was hat sich dadurch verändert?
Michael Herzog Löschnig: Die Ansprechpartner bei den Vereinen waren meist dieselben, aber das Aufgabengebiet wurde deutlich größer. Ligastrukturen zusammenzuführen, den Spielbetrieb zu organisieren und die Schnittstellen zum ÖEHV zu betreuen, all das kam hinzu. Ich hatte außerdem das Glück, Turniere und Nationalteamaktivitäten begleiten zu dürfen und internationale Strukturen kennenzulernen. Bei den Nachwuchsnationalteams habe ich tatsächlich jede Aufgabe übernommen, vom Zeugwart bis zum Teammanager. Diese Erfahrung in allen Bereichen kam mir später sehr zugute.
Was waren deine wichtigsten Projekte?
Michael Herzog Löschnig: Die Neugestaltung der Division 1 war eine der Hauptaufgaben, nachdem die Eliteliga zusammengebrochen war. Kärnten ist bis heute das einzige Bundesland, in dem eine Liga auf diesem Niveau durchgehend funktioniert. Auch bei der Gestaltung der dritten Ligen, wie etwa der ÖEL, habe ich mitgearbeitet. Leider wurden die Erfahrungen aus den Landesverbänden auf der damaligen ÖEHV Ebene nicht immer ausreichend berücksichtigt.
Ehrenamt, Medienarbeit und Infrastruktur
Kärnten gilt als Vorreiter im österreichischen Eishockey und bezeichnet sich selbst gerne als Hockeyland.
Michael Herzog Löschnig: Was hier ehrenamtlich geleistet wird, ist einzigartig. Profibetrieb mit zwei Teams, Fraueneishockey mit zwei Mannschaften auf höchster Ebene, Nachwuchs und Seniorenligen, Kunsteis und Natureis sowie Hobbyligen, egal ob mit oder ohne Patronanz des Verbandes, all das wird bedient. Diese Dichte gibt es in keinem anderen Bundesland.
Wie sieht es mit der medialen Abbildung dieser Breite heute aus?
Michael Herzog Löschnig: Medienarbeit war und ist eine enorme Aufgabe, und wir mussten uns in kurzer Zeit immer wieder neu erfinden. Wir haben den Sprung vom Analogtelefon bis zu Livestreams geschafft und waren mithilfe der Eishockeykamera Nummer eins, Ernst Krawagner, sowie des großartigen Kommentators Rüdiger Wratschnig eines der ersten Bundesländer, das Meisterschaften unterhalb der Profiebene übertragen hat. Das war noch vor der großen Streaming Welle. Heute gibt es eine breite Medienlandschaft, die über das Geschehen im Kärntner und Osttiroler Eishockey berichtet. Wir haben eigene Kanäle aufgebaut und liefern den etablierten Medien gerne zu.
Weitere Funktionen und Privates
Du warst auch ehrenamtlicher Geschäftsführer der Ossiach Halle.
Michael Herzog Löschnig: Das war von 2018 bis 2023. In dieser Zeit wurde deutlich, wie sehr die Energiepreise zum Problem geworden sind. Gemeinden leisten enorm viel, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. In Steindorf steht die Gemeinde klar zum Sport, auch in schwierigen Zeiten.
Abschließende Frage: Wie vereinbarst du das Präsidentenamt mit dem Privatleben?
Michael Herzog Löschnig: Ohne eine verständnisvolle Familie geht das nicht. Meine Frau Sibylle unterstützt mich sehr, mein Sohn Rafael ist 14 Jahre alt. Das Aufgabenprofil als Präsident hat sich verändert, es bedeutet mehr Termine und mehr Unterwegssein. Im Winter ist das akzeptiert, aber man muss Tätigkeiten, die man früher zusätzlich ausgeübt hat, zurückfahren. Hundert Prozent überall gleichzeitig zu sein, ist einfach nicht möglich.
Text: Jürgen Knopper

